Vom Geschichtsstudium ins Banking: Sigrids ungewöhnlicher Karriereweg
10. März 2026
Lesezeit: 6 Min
Karrieren im Banking verlaufen selten geradlinig – das gilt auch für Sigrid Seibold. Ursprünglich wollte sie Archäologin werden, doch der Fall der Berliner Mauer veränderte ihren Weg grundlegend.
Heute ist sie Head of Transaction Services bei ING Deutschland. In dieser Rolle verantwortet sie einen zentralen Teil der finanziellen Infrastruktur für Firmenkunden – vom globalen Zahlungsverkehr über Liquiditätsmanagement bis hin zur Weiterentwicklung digitaler Lösungen im Corporate Banking. Bei ING nennen wir Transaction Services den Herzschlag des Wholesale Banking, denn wir sind gewissermaßen Teil des operativen Nervensystems der Finanzfunktion vieler Unternehmen.
Vor ihrer Zeit bei der ING arbeitete sie viele Jahre international – zunächst einige Jahre im Devisenhandel, später in namhaften Beratungen mit Stationen in Singapur und New York, wo sie Investmentbanken und Hedgefonds weltweit zu Strategie- und Kapitalmarktfragen beriet.
Wir haben mit ihr über ihren Weg ins Banking, prägende Erfahrungen auf ihrem Karriereweg und darüber gesprochen, was sie jungen Talenten mitgeben würde.
Wie bist Du ins Banking gekommen?
Ich habe ursprünglich bei der Deutschen Bank mit einer Bankausbildung den Weg zur Bankerin angefangen. Der Weg dorthin war allerdings etwas ungewöhnlich.
Ich komme aus der DDR und habe zunächst Geschichte studiert – eigentlich wollte ich Archäologin werden. Dann fiel die Mauer und es war unklar, wie es mit diesem Studium weitergehen würde. Freunde haben mir damals geraten, zunächst eine Bankausbildung zur Orientierung in der neuen Welt zu machen. Die Deutsche Bank baute zu dieser Zeit zusätzliche Ausbildungsprogramme auf, weil man erwartete, dass im Osten viel Nachfrage entstehen würde.
Eigentlich war für mich klar, dass die Bankfiliale nicht mein langfristiger Weg sein würde und ich dann doch lieber mein Geschichtsstudium zu Ende bringen würde. Doch im letzten Praxiseinsatz bin ich im Devisenhandel gelandet. Das war schnell, international und sehr dynamisch – und das hat mich sofort begeistert.
Dann wurde ich zum Investment-Banking-Traineeprogramm eingeladen. Das war ein selektives Programm, in dem man die gesamte Breite und Tiefe der Investmentbank kennenlernte und das letztlich die Basis für meine weitere Karriere wurde. Die Bank hat damals viel in mich investiert – unter anderem mit intensiven Englischkursen, weil ich zwar fließend Russisch sprach, aber nur Schulenglisch. Dafür bin ich der Bank bis heute dankbar.
Wie bist Du zur ING gekommen?
Ich habe viele Jahre in internationalen Unternehmensberatungen gearbeitet, vor allem im Bereich Kapitalmärkte, und Finanzinstitute weltweit zu Strategie-, Operating-Model-, Technologie- und Transformationsfragen beraten – unter anderem in Singapur und New York.
Der Wechsel zur ING kam eher unerwartet. Persönliche Gründe spielten eine Rolle, weil ich wieder mehr Zeit in Deutschland verbringen wollte. Gleichzeitig hatte sich bei meinem damaligen Arbeitgeber die Struktur verändert, und ich habe mich entschieden, das Unternehmen zu verlassen. Das war für mich persönlich eine schwierige Phase, weil ich zuvor meist für neue Rollen angesprochen worden war – und plötzlich zum ersten Mal wieder einen Lebenslauf schreiben musste.
Über eine ehemalige Kollegin kam der Kontakt zur ING zustande. Eigentlich dachte ich zunächst, dass ich für die Rolle nicht geeignet sei – einige der Anforderungen konnte ich aus meiner Sicht nicht erfüllen. Die Rolle mit dem Wachstums- und Transformationsfokus fand ich aber sehr spannend, also habe ich mich neugierig auf das Gespräch eingelassen.
Innerhalb kurzer Zeit hatte ich ein Angebot. Dass die ING mich eingestellt hat, obwohl ich nicht jeden Punkt der Stellenbeschreibung erfüllt habe, fand ich bemerkenswert. Für mich zeigt das eine unternehmerische Kultur, in der nicht nur auf den perfekten Lebenslauf geschaut wird, sondern auch auf das Potenzial einer Person.
Was war eine der größten Herausforderungen auf Deinem Karriereweg?
Eine Herausforderung war sicherlich, zwei internationale Karrieren und Familie miteinander zu vereinbaren. Mein Mann und ich hatten beide sehr anspruchsvolle Jobs.
Er ist meiner Karriere wegen mit nach Singapur gegangen. Später bin ich für seine nach New York gezogen. Und währenddessen haben wir gemeinsam drei Kinder großgezogen – was viele organisatorische und persönliche Herausforderungen mit sich brachte.
Es gab Momente, in denen ich ein schlechtes Gewissen hatte, etwa wenn ich viel unterwegs war, während meine Kinder noch klein waren. Gleichzeitig bin ich in der DDR mit einem Rollenbild aufgewachsen, in dem berufstätige Frauen völlig selbstverständlich waren. Meine Mutter war Kriminalhauptkommissarin bei der Kripo. Das hat mich sehr geprägt. Und meine heute jungen erwachsenen Kinder scheinen mir recht zu geben.
Bist Du im Laufe Deiner Karriere Stereotypen begegnet?
Ja, natürlich. Kommentare gibt es überall. Ich erinnere mich zum Beispiel daran, dass ich gefragt wurde:„Du kommst aus dem Osten? Das merkt man Dir gar nicht an.“
Ich habe versucht, mich von solchen Dingen nicht aufhalten zu lassen. Wenn jemand meinte, bestimmte Dinge eher in Schubladen zu packen, ist mein erster Impuls eher: Jetzt erst recht.
Wenn Du Deinem jüngeren Ich einen Rat geben könntest – welcher wäre das?
Ich würde sagen: „Don’t you worry. You’re going to be fine.“
Sich Sorgen zu machen ist oft Zeitverschwendung. Außerdem würde ich meinem jüngeren Ich mehr Self-Care empfehlen. Gerade in Jahren mit viel Reisen, kleinen Kindern und sehr intensiver Arbeit merkt man oft gar nicht, wie erschöpft man eigentlich ist. Und nur wenn man mit sich selbst im Reinen ist, kann man auch für andere da sein.
Was möchtest Du jungen Menschen mitgeben, die eine Karriere im Banking anstreben?
Banking is sehr vielseitig und interessant – es gibt viel zu Lernen. Etwas, das ich viel zu spät gelernt habe, ist: aktiv um Hilfe zu fragen. Viele Menschen glauben, sie müssten alles allein schaffen. In Wirklichkeit entstehen Karrieren fast immer gemeinsam mit anderen Menschen. Und oft sind sie sogar gern Teil dieses Weges.
… Und die Archäologie hat mich übrigens nie ganz losgelassen – Ausgrabungsstätten sind bis heute Teil unserer Reiseziele.
Wer wir sind? Lernen Sie einige Ihrer zukünftigen Kolleginnen und Kollegen kennen.
Seit 2012 ist Fabian ein Teil der ING und kennt unser Wholesale Banking in Deutschland seit den Anfangstagen. Im Interview berichtet er von seinem Weg vom Trainee zur Führungskraft.
Vom Trainee zur Führungskraft – Interview mit Fabian Bahner
Als Director im Transaction Services Sales Team kam José im April 2025 zur ING Deutschland. Im Interview berichtet er von seinem Bewerbungsprozess, den ersten Monaten bei der ING und wie sein Arbeitsalltag in unserem Firmenkundengeschäft aussieht.