Wholesale Banking

Karriere im Banking: Warum Authentizität im Banking zählt

9. April 2026

Lesezeit: 6 Min

Karrieren im Banking verlaufen selten geradlinig – und manchmal beginnen sie mit einem einfachen Zufall. Für Sanja Rankov wurde aus einem unsicheren Start in einem neuen Land eine inzwischen 12-jährige Reise bei ING. Heute blickt sie auf ihren Weg zurück – auf Wachstum, Selbstzweifel, Stereotype und darauf, warum Authentizität eine der wichtigsten Führungsstärken ist.

Wie bist Du ins Banking gekommen – und wie zur ING?

Ganz ehrlich: Es war eher ein Zufall. Ich habe Wirtschaft und Finanzen studiert und bin für meinen Master nach Deutschland gekommen. Wie viele andere in meinem Umfeld habe ich gesehen, dass viele Praktika im Banking machen – und dachte mir: Das sollte ich zumindest einmal ausprobieren.

Damals war mein Deutsch noch nicht gut genug, und insgesamt war alles ziemlich überwältigend – ein neues Land, neue Menschen, keine Familie oder Freunde um mich herum. Es war das erste Mal, dass ich wirklich auf mich allein gestellt war. Und ich habe mir selbst nicht genug zugetraut, mich bei einer deutschen Bank zu bewerben. Ich war überzeugt, ohnehin direkt abgelehnt zu werden.

Also habe ich mich stattdessen bei einer spanischen Bank für ein Praktikum beworben – und wurde genommen. Dort habe ich eine enge Verbindung zu einer Kollegin aufgebaut, die mir von den Wachstumsplänen der ING in Deutschland erzählt hat. Sie hat mich ermutigt, mich zu bewerben, und mich mit jemandem aus der Bank vernetzt.

Das ist jetzt fast 12 Jahre her. Damals war das Wholesale Banking in Deutschland noch sehr klein. Rückblickend bin ich wirklich beeindruckt, wie stark sich alles entwickelt hat – und ich bin stolz, Teil dieser Erfolgsgeschichte zu sein. Es war mein erster richtiger Job, und ich bin immer noch hier – das sagt wahrscheinlich schon einiges.

Hast Du das Gefühl, dass Du als Frau im Laufe Deiner Karriere anders wahrgenommen wurdest?

Ja, definitiv. Die größte Herausforderung war für mich, Mutter zu werden – gleich zweimal – und danach wieder in den Job zurückzukehren. Jedes Mal kam ich in ein Arbeitsumfeld zurück, das sich verändert hatte: neue Menschen, neue Prozesse – und einmal sogar komplett virtuell durch Corona. Gleichzeitig gibt es nach wie vor Stereotype. Manche gehen davon aus, dass man weniger engagiert oder ambitioniert ist, wenn man in Teilzeit arbeitet oder Kinder hat. Was ich bei mir selbst gemerkt habe: Ich habe angefangen, an mir zu zweifeln. Und ein Satz ist mir dabei besonders im Kopf geblieben:
„Für Frauen wird Selbstzweifel oft zu einer Form des Selbstschutzes.“

Anstatt solche Annahmen oder Erwartungen direkt zu hinterfragen, zweifeln wir oft zuerst an uns selbst. Wir relativieren unsere eigenen Stärken, bevor es andere tun. Nicht aus Unsicherheit, sondern weil wir gelernt haben, das Zurückhaltung sozial belohnt wird. Die Herausforderung besteht darin, zu erkennen, wann dieser Mechanismus uns schützt und wann er uns bremst. Mit der Zeit habe ich gelernt, wie wichtig Selbstbewusstsein und Selbstwahrnehmung sind. Ich musste mir selbst klar machen, was ich kann – und das auch nach außen zeigen. Mutter zu sein oder in Teilzeit zu arbeiten bedeutet nicht, weniger motiviert oder weniger leistungsfähig zu sein.

Heute glaube ich auch, dass es wichtig ist, die eigene Stimme zu erheben, die eigene Perspektive zu teilen – und damit auch anderen Raum zu geben, sich zu öffnen. Das hat nicht nur mir geholfen, sondern auch andere ermutigt.

Gibt es Stereotype oder Klischees, die Du gerne aufbrechen würdest?

Ja, es gibt zwei, die ich immer wieder höre. Das erste ist: „Sie hat die Position nur bekommen, weil sie eine Frau ist.“
Das begegnet einem oft im Kontext von Quoten oder Diversity-Zielen – und ich finde das sehr problematisch. Denn dieser Satz stellt Leistung im Nachhinein infrage. Er blendet Qualifikation und Erfahrung aus und sorgt dafür, dass Frauen ihre Kompetenz immer wieder neu beweisen müssen..

Das zweite Klischee ist persönlicher: „Du bist zu emotional.“ – oft verbunden mit meinem südosteuropäischen Hintergrund. Aber ich habe gelernt, das anders zu sehen. Emotional zu sein muss nichts Negatives sein. Es kann bedeuten, empathisch zu sein, Menschen besser zu verstehen und über reine Fakten hinauszuschauen. Es hilft dabei, die richtigen Fragen zu stellen und bessere, durchdachtere Lösungen zu entwickeln.

Für mich ist emotionale Intelligenz eine Stärke – gerade in der Führung. Man muss sich nicht verändern, um erfolgreich zu sein. Authentizität und Führung schließen sich nicht aus – im Gegenteil, sie verstärken sich gegenseitig.

Fühlst Du Dich durch die Kultur bei ING unterstützt?

Ja – insgesamt schon. Sonst wäre ich wahrscheinlich nicht so lange geblieben. ING hat mich in vielerlei Hinsicht unterstützt: als internationale Mitarbeiterin, als jemand, der anfangs kein Deutsch gesprochen hat, und als berufstätige Mutter. Besonders über die Zeit hinweg habe ich Vertrauen und Respekt aufgebaut – auch in Teilzeit. Es gibt viele Initiativen im Bereich Diversity & Inclusion, und ich glaube, dass ING hier im Vergleich zu vielen anderen Unternehmen weit vorne ist.

Gleichzeitig sehe ich aber auch noch Verbesserungspotenzial. Ein Punkt ist, dass es noch nicht genug sichtbare Vorbilder für Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen gibt. Repräsentation ist wichtig – Menschen brauchen Personen, mit denen sie sich identifizieren können. Das ist nicht nur bei ING so – das sehe ich in der gesamten Branche.

Wir sprechen viel über Diversity und bewegen uns in die richtige Richtung. Aber es gibt noch eine Lücke zwischen dem, was wir sagen, und dem, was wir im Alltag tatsächlich leben. Darauf aufbauend sehe ich für Frauen in Führungspositionen eine besondere Verantwortung: nämlich nicht unbewusst das System zu schützen, das für uns selbst funktioniert hat, sondern es immer wieder kritisch zu hinterfragen und für kommende Generationen offener zu gestalten.

Würdest Du rückblickend etwas anders machen?

Ich würde meinen Karriereweg an sich nicht ändern – ich bin sehr glücklich mit dem, wo ich heute stehe. Aber in herausfordernden Phasen hätte ich mir manchmal gewünscht, schneller aus meinen Selbstzweifeln herauszukommen. Ich neige dazu, Dinge zu zerdenken – und das kann einen bremsen. Gleichzeitig gehören genau diese Erfahrungen zu dem, was mich heute ausmacht.

Welchen Rat würdest Du Deinem jüngeren Ich oder jungen Menschen am Anfang ihrer Karriere geben?

Eines der wichtigsten Dinge, die ich gelernt habe, ist: Authentizität und Erfolg schließen sich nicht aus –  im Gegenteil,  sie können Hand in Hand gehen. Deswegen, sei du selbst, aber bleib gleichzeitig offen für Menschen, die anders sind als du - gerade unterschiedliche Perspektiven machen uns als Team stärker. Dazu gehört auch, keine Angst zu haben, die eigene Meinung zu sagen – auch wenn es sich manchmal unangenehm anfühlt. Ehrliches Feedback, selbst wenn es schwierig ist, hilft uns zu wachsen.

Gleichzeitig es ist entscheidend, sich der eigenen Stärken und Schwächen bewusst zu sein. Vertrauen und Respekt entstehen nicht über Nacht, sondern entwickeln sich mit der Zeit – aber Selbstreflexion ist die Grundlage.

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