Führung im Banking: Warum Empathie eine Stärke ist
16. März 2026
Lesezeit: 6 Min
Karrieren im Banking verlaufen selten nach einem festen Plan. Auch für Mariana Ziemer war der Einstieg in den Firmenkundenbereich weniger das Ergebnis einer langfristigen Strategie als vielmehr einer zufälligen Begegnung. Heute blickt sie auf fast zwei Jahrzehnte Erfahrung in der Branche zurück und ist seit über einem Jahr Teil der ING.
Als Head of Client Coverage & Sectors Germany verantwortet sie die strategische und kommerzielle Weiterentwicklung von sieben Kernbranchen sowie die ganzheitliche Betreuung großer deutscher und internationaler Firmenkunden, einschließlich strukturierter Unternehmensfinanzierung. Im Fokus stehen langfristige Kundenbeziehungen, tiefes Branchenverständnis sowie die enge Verzahnung von Sektor‑, Produkt‑ und Regionalexpertise.
Im Gespräch erläutert sie, warum sie bewusste Schritte außerhalb der Komfortzone als Voraussetzung für persönliche Entwicklung und wirksame Führung sieht – und weshalb Empathie für sie eine zentrale Führungsstärke ist.
Wie bist Du ins Banking gekommen – und wie zur ING?
Mein Weg ins Banking war nicht geplant. Auslöser war vielmehr eine zufällige Begegnung vor knapp 20 Jahren mit einem erfahrenen Firmenkundenbanker, der mir Einblicke in die Vielfalt des Firmenkundengeschäfts gegeben hat. Diese Begegnung hat meine Neugier geweckt, und so bin ich nach meinem Studium als Trainee in der Mittelstandsbank der Commerzbank eingestiegen, um das Firmenkundengeschäft von Grund auf kennenzulernen.
An meinem ersten Arbeitstag wurde jedoch die Fusion von Commerzbank und Dresdner Bank bekannt gegeben. Für dieses große Integrationsprojekt wurden Mitarbeitende gesucht, und so bin ich früh von meinem ursprünglichen Weg abgewichen. Ich ging zunächst für knapp ein Jahr nach Singapur. Es folgten Stationen in der Konzernstrategie sowie im Sales Management der Mittelstandsbank in Asien, unter anderem zwei Jahre in Shanghai. Eigentlich hatte ich geplant, meine Karriere weiter in Asien fortzusetzen. Doch in dieser Zeit lernte ich meinen heutigen Ehemann kennen, der damals in Frankfurt lebte – und so kehrte ich nach Deutschland zurück.
In Frankfurt habe ich dann bewusst das nachgeholt, was ich mir Jahre zuvor vorgenommen hatte: das Firmenkundengeschäft von der Pike auf zu erlernen – im Rahmen eines umfassenden Rotationsprogramms. Dort habe ich für mich den wahren „Zauber“ einer Bank entdeckt: die direkte Arbeit am Kunden. Seitdem fasziniert es mich, gemeinsam mit Unternehmern Lösungen zu entwickeln, die ihre strategischen Ziele unterstützen sowie Kunden über viele Jahre hinweg durch unterschiedliche Phasen zu begleiten. Diese Faszination hat mich seither nicht mehr losgelassen.
Vor knapp zehn Jahren habe ich meine erste Führungsaufgabe im Firmenkundenvertrieb übernommen. In dieser Rolle habe ich gelernt, wie entscheidend es ist, Menschen mitzunehmen, unterschiedliche Perspektiven zu verstehen und ein Umfeld zu schaffen, in dem Leistung entstehen kann. Zuletzt war ich drei Jahre COO der Mittelstandsbank in der Vertriebsregion Nord/West und habe dort die Transformation des Firmenkundengeschäfts aktiv umgesetzt.
Zur ING bin ich vor etwas mehr als anderthalb Jahren gewechselt – nach fast 17 Jahren bei der Commerzbank. Ich bin ein sehr loyaler Mensch, deshalb war dieser Schritt wohlüberlegt. Besonders überzeugt hat mich die erfolgreiche Wachstumsstory der ING im Wholesale Banking in Deutschland. Innerhalb von rund 15 Jahren hat sich die ING in die Top 10 der deutschen Bankenlandschaft entwickelt. Teil dieser Entwicklung zu werden, war für mich ein entscheidender Faktor. Ebenso wichtig war für mich die Kultur: zahlreiche Kolleginnen und Kollegen aus meinem Netzwerk arbeiteten bereits bei der ING und berichteten sehr positiv von ihren Erfahrungen.
Rückblickend habe ich mich jedoch bewusst immer wieder aus meiner Komfortzone herausbewegt – getrieben von Neugier, Lernbereitschaft und dem Wunsch, mich kontinuierlich weiterzuentwickeln. Meine Herkunft aus Bulgarien und mein Weg nach Deutschland haben mich früh gelehrt, flexibel zu sein und mich schnell auf neue Situationen einzustellen. Diese Erfahrung hilft mir bis heute – insbesondere in einer Branche, die sich permanent verändert.
Gab es auf Deinem Karriereweg Herausforderungen oder Hürden?
Ich würde es nicht unbedingt als klassische Hürden bezeichnen. Wenn ich zurückblicke, erinnere ich mich vor allem daran, dass ich zu Beginn meiner Karriere mit bestimmten Stereotypen konfrontiert war.
Eine Situation ist mir dabei besonders in Erinnerung geblieben: Als ich mit unserem ersten von zwei Söhnen schwanger wurde, wurde ich mehrfach darauf angesprochen, dass ich meine Managementaufgabe sicher abgeben würde. Das habe ich damals zunächst nicht nachvollziehen können.
In Bulgarien – wie in vielen Ländern des damaligen Ostblocks – ist eine selbstverständliche Gleichbehandlung von Frauen im Berufsleben stark verankert. Arbeitende Mütter, auch in verantwortungsvollen Rollen, waren für mich nichts Ungewöhnliches. Meine Mutter ist Tierärztin – und nicht selten lagen auf meinem Hausaufgabentisch Hasen, Meerschweinchen oder Katzen. So bin ich ganz selbstverständlich damit aufgewachsen, dass Familie und Beruf vereinbar sind. Diese Erfahrung hat mir sehr deutlich gemacht, wie stark kulturelle Prägungen und Erwartungen Führungskarrieren beeinflussen können.
Wie bist Du mit diesen Stereotypen umgegangen?
Zu Beginn habe ich versucht, mich anzupassen – auch äußerlich. Ich habe meine Weiblichkeit eher in den Hintergrund gestellt und mich bewusst maskuliner gekleidet, weil ich dachte, das sei notwendig. Mit der Zeit habe ich jedoch gemerkt, dass das nicht meiner Persönlichkeit entspricht. Ich habe gelernt, mir selbst treu zu bleiben und Führung so zu gestalten, dass Menschen sich gesehen und ernst genommen fühlen.
Welches Klischee würdest Du im Banking gerne aufbrechen?
Zu Beginn meiner Karriere galt ein harter, distanzierter Führungsstil häufig als Erfolgsmaßstab. Heute bin ich überzeugt: Empathie ist eine echte Führungsstärke. Sie ermöglicht es, unterschiedliche Perspektiven zu verstehen, Menschen mitzunehmen und bessere Entscheidungen zu treffen.
Gute Führung bedeutet, klare Orientierung zu geben und ein Umfeld zu schaffen, das Silos überwindet und bereichsübergreifende Zusammenarbeit ermöglicht – damit Menschen Verantwortung übernehmen und ihr Potenzial entfalten können. Und das gelingt besonders dann, wenn Vertrauen, Offenheit und echtes Zuhören Teil der Führungskultur sind.
Fühlst Du Dich durch die Kultur bei der ING unterstützt?
Ja, absolut. Entscheidend ist für mich, dass ich mich authentisch zeigen kann. Die ING schafft Rahmenbedingungen, in denen unterschiedliche Lebensrealitäten berücksichtigt werden und Stärken bewusst eingebracht werden können. Diese Offenheit erlebe ich als große Stärke.
Was würdest Du Menschen mitgeben, die eine Karriere im Banking anstreben?
Drei Dinge sind mir wichtig:
Erstens, formuliert eure Ambitionen klar und sprecht offen darüber. Zweitens, bleibt flexibel – es gibt keinen festen Karriere‑Blueprint, viele Chancen entstehen unerwartet. Drittens, investiert bewusst in Beziehungen. Netzwerke tragen über viele Jahre.
Gerade in Zeiten tiefgreifender Transformationen hilft es, den eigenen Nordstern zu kennen: Wofür stehe ich, wofür brenne ich? Wer das für sich klar hat, kann neugierig bleiben, sich weiterentwickeln – und sich selbst treu bleiben. Jeder Karriereweg ist individuell.
Wer wir sind? Lernen Sie einige Ihrer zukünftigen Kolleginnen und Kollegen kennen.
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