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Sustainable Finance: Vom Hype zur Unternehmensrealität

21. April 2026

Lesezeit: 5 Min

Zuerst Trend, jetzt tot? Nachhaltigkeit und ESG haben in der öffentlichen Debatte aktuell einen schweren Stand. Doch für viele Unternehmen ist das Thema längst Realität.

Laut einer Umfrage der ING Deutschland, F.A.Z. BUSINESS MEDIA I research und des FINANCE Magazins bleibt Sustainable Finance trotz geopolitischer Unsicherheiten ein strategisch relevantes Thema. Das bestätigen 72 Prozent der befragten Finanzentscheider in Unternehmen. Bei der Online-Befragung gaben neben Finanzentscheidern auch Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer sowie Nachhaltigkeitsverantwortliche an, wie relevant ESG-Faktoren (Environmental, Social and Governance) und nachhaltige Finanzierungslösungen für ihre Unternehmen sind.

Trotz Gegenwind steht eine breite Basis der Unternehmerschaft hinter der nachhaltigen Transformation der Wirtschaft und ihrer Firmen. Allerdings gibt es Hindernisse: So verzögerten geo- und wirtschaftspolitische Unsicherheiten die nachhaltige Transformation vieler Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten, berichten 31 Prozent der Geschäftsführer und Nachhaltigkeitsverantwortlichen laut Umfrage. Bei weiteren 32 Prozent war dies zumindest teilweise der Fall.

Nachhaltige Transformation als Wachstumstreiber

Die Studie zeigt jedoch auch, dass ESG-Themen im Vergleich zum Vorjahr nicht bedeutender werden, sondern auf konstantem Niveau bleiben. Auch die Nachfrage nach nachhaltigen Finanzierungslösungen in Deutschland stagniert in den vergangenen Jahren. Eddy Henning, Firmenkundenvorstand der ING Deutschland, sieht darin allerdings einen gereiften Markt: „Wir haben ein Plateau der Produktivität erreicht, nachdem der marketinggetriebene Hype der Anfangsjahre abgeklungen ist. Unternehmen gehen das Thema heute deutlich nüchterner und strategischer an.“

Studienergebnissen zufolge ist ein Großteil der Firmen außerdem davon überzeugt, dass Nachhaltigkeit durchaus mit Wirtschaftswachstum vereinbar ist. So gaben über 60 Prozent der Befragten Unternehmensentscheider an, dass die nachhaltige Transformation ein wichtiger Wachstumsmotor für Deutschland ist. Auch ESG wird sich laut einer Mehrheit als langfristiger Wettbewerbsvorteil auszahlen.

In diesem Jahr soll der globale Markt für Sustainable Finance wieder wachsen, nachdem er im vergangenen Jahr etwas zurückgegangen ist. Dies zeigt der vierteljährliche Opens in a new tabSustainable Finance Pulse der ING, der einen Marktüberblick gibt. Insbesondere in Zentral- und Osteuropa boomt der Markt. 

Regulatorik bremst die nachhaltige Transformation

Viele Unternehmer kritisieren allerdings, dass regulatorische Vorgaben sie an der nachhaltigen Transformation hindern - aufwändige Dokumentationspflichten und häufige Änderungen stünden im Weg. Deshalb fordern neun von zehn befragten Geschäftsführern klarere und stabilere Rahmenbedingungen. 71 Prozent empfinden die Nachhaltigkeitsberichterstattung als zu bürokratisch.

Bisher führt laut einer Mehrheit der Finanzentscheider eine starke ESG-Performance noch nicht zu messbaren Kostenvorteilen bei den eigenen Finanzierungskonditionen. Vielleicht auch deshalb finden fast drei Viertel der Finanzentscheider, dass Aufwand und Nutzen in keinem angemessenen Verhältnis stehen.

Finanzwirtschaft als „Enabler“ der grünen Transformation

Die Finanzwirtschaft spielt bei der nachhaltigen Transformation eine entscheidende Rolle. 67 Prozent der Geschäftsführer betrachten sie als Möglichmacher, die Mehrheit der Finanzentscheider sieht im Kapitalmarkt eine wichtige Finanzierungsquelle. Beim Thema Nachhaltigkeit wünschen sich Geldgeber Transparenz und Nachhaltigkeit von Unternehmen. So berichten 57 Prozent der Finanzentscheider, dass Banken und Investoren eine regelmäßige und verlässliche ESG-Berichterstattung wollen. Bei den Geschäftsführern fällt die Zahl allerdings deutlich geringer aus. 43 Prozent von ihnen nehmen keine spezifischen Anforderungen an Transparenz oder Glaubwürdigkeit wahr. Aber auch Unternehmen erwarten sich Unterstützung und wollen bei der Transformation nicht allein gelassen werden. 61 Prozent der Finanzentscheider erwarten, dass Banken sie zu nachhaltigen Finanzierungen beraten. Das bestätigt auch unser Firmenkundenvorstand Eddy Henning:

Früher haben wir fast ausschließlich über das Produkt gesprochen: Wie funktioniert das, was sind die technischen Merkmale? Heute begleiten wir Kunden viel stärker bei ihrer Transformation und setzen Finanzprodukte dort ein, wo sie einen echten Vorteil bringen. Wir sind Sparringspartner und bringen regulatorisches Know-Ho, Marktkenntnis und Best Practices aus anderen Unternehmen ein.

Trends und Ausblick

Feststeht, dass in ESG großes Potential liegt: Gut die Hälfte der Finanzentscheider erwartet, dass es künftig die Bonitätsbewertung mitbestimmt, wie Unternehmen mit Umwelt- und Transformationsrisiken umgehen. Aber auch um Nachwuchskräfte zu gewinnen, ist laut 40 Prozent der Unternehmen eine glaubwürdige ESG-Strategie entscheidend. Viele Geschäftsführer sind davon überzeugt, dass in den nächsten fünf Jahren das Thema Nachhaltigkeit wichtiger wird.

 

Mehr Informationen zu unserer Green Finance-Studie Opens in a new tabhier.