Zahlungen in der 24/7-Economy
5. Januar 2026
Lesezeit: 5 Min
Instant Payments revolutionieren das Treasury und bringen Kontrolle. Unternehmen sollen die Herausforderungen auf dem Weg zum Real-time Treasury jedoch nicht unterschätzen.
Vice President, Transaction Services Products, ING Deutschland
Christian Voitl
Die Bedeutung von Instant Payments im Zahlungsverkehr wächst. In der ersten Hälfte des Jahres 2025 wurden rund 26 Prozent aller Sepa-Transfers als Echtzeitzahlungen abgewickelt. Seit Oktober 2025 müssen Banken den Versand von Echtzeit-Überweisungen in Euro verpflichtend anbieten – die Nutzung dürfte also weiter steigen. Was zunächst im Privatkundenbereich und dem 24/7-Onlinehandel galt, wird zunehmend auch im Unternehmensbereich zum Standard.
Die Europäische Union (EU) hat in den vergangenen Jahren die Entwicklung einer offenen Finanzarchitektur vorangetrieben. Die zweite Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2) legte die Grundlage dafür. Mit Sepa wurde 2017 ein einheitlicher europäischer Zahlungsverkehrsraum geschaffen. Die Instant Payment Regulation (IPR) von 2024 erweitert diesen um die Verpflichtung Echtzeittransaktionen auf Euro-Basis ohne Beitragslimit durchzuführen. Sie dürfte damit zu einem Katalysator für die Verbreitung und Akzeptanz von Instant Payments werden.
Schneller Überblick
Auf der Privatkundenseite steht bei Echtzeitzahlungen vor allem der Convenience-Aspekt im Vordergrund: Die digitale Customer Journey, wie sie Kundinnen und Kunden im Onlinehandel oder bei Peer-to-Peer-Zahlungen erleben, wird ins Banking übertragen. Auf der Unternehmensseite sorgen Instant Payments für einen schnelleren Überblick und eine effektivere Kontrolle über die Finanzlage.
Die Vorteile einer Echtzeit-Finanzsteuerung liegen auf der Hand: Der Wegfall zeitlicher Einschränkungen wie Annahmeschlusszeiten, erlaubt es, zeitkritische Transaktionen direkt zu verarbeiten und so etwa Kundenerstattungen zeitnah auszuführen – oder auch Kundenzahlungen innerhalb von Sekunden zu erhalten. Liquidität kann in Echtzeit über Banken, Unternehmen und Länder hinweg dort konzentriert werden, wo sie benötigt wird. Vor dem Hintergrund volatiler Marktbedingungen und erhöhter Unsicherheit ein Aspekt, der an Bedeutung gewinnen dürfte.
Instant-Payment-Prozesse im Treasury bieten also Vorteile, machen jedoch auch eine Anpassung der Abläufe notwendig. So muss etwa geklärt sein, wie mit Zahlungen außerhalb der Regelarbeitszeiten umgegangen wird.
Auch erhöht die Geschwindigkeit in der Abwicklung grundsätzlich das Betrugsrisiko. Instant Payments lassen sich nicht rückgängig machen, Fehler oder Betrug können entsprechend nur schwer korrigiert werden.
Vor diesem Hintergrund schreibt die IPR die Einführung von Prüfungen im Rahmen der Verification of Payee (VoP) für alle Sepa-Transaktionen vor: Dabei müssen Banken und Zahlungsdienstleister Empfängernamen und IBAN abgleichen. So sollen manuelle Eingabefehler vermieden und Phishing-Attacken– wie etwa durch betrügerische Anweisungen im Namen von Führungskräften, wie beim sogenannten CEO Fraud – abgewehrt werden.
Gefragt ist das Treasury bei VoP nicht zuletzt dann, wenn es um die Verarbeitung von Sammelüberweisungen geht, also um sogenannte Batches, wie sie bei Lieferanten- oder Gehaltszahlungen zum Einsatz kommen. Da eine Fehlermeldung bei einer einzelnen Transaktion den gesamten Batch verzögern kann, haben Unternehmenskunden die Möglichkeit, die VoP-Prüfung auszuschließen. Dieser „Opt-out“ muss jedoch bewusst getroffen und für die jeweilige Sammeltransaktion definiert werden. Unabhängig von der Vorgehensweise, stellt die Nutzung der VoP-Prüfung ganz grundsätzlich besondere Anforderungen an die Datenkonsistenz und -genauigkeit im Treasury.
Instant Payments bringen für Unternehmen Neuerungen und Herausforderungen. Der Aufwand lohnt sich, denn das Potential des Liquiditätsmanagements lässt sich damit optimal ausschöpfen.
Dieser Artikel erschien zunächst in "Der Treasurer" Ausgabe 04/2025.