Wholesale Banking

Klarer Kurs trotz Gegenwind

Lesezeit: 4Min

13. Oktober 2026

Mit proaktivem Risikomanagement durch Kristen navigieren: Warum frühes Handeln im Treasury heute über Stabilität und Spielräume entscheidet.

Die Risiken für Unternehmen nehmen zu. In den vergangenen Jahren haben geopolitische Schocks, die Corona-Pandemie, gestörte Lieferketten, Inflation und steigende Finanzierungskosten die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen grundlegend verändert. In vielen Fällen wirken diese Risiken nicht nur auf die finanziellen Kennzahlen von Unternehmen, sondern auch auf die strategische Ausrichtung oder gar gesamte Geschäftsmodelle.

Damit wird proaktives Risikomanagement für das Treasury immer wichtiger. Denn wer erst handelt, wenn eine Krise sichtbar ist, hat oft schon entscheidenden Handlungsspielraum verloren.

Kaum eine Branche illustriert dies so deutlich wie die Automobilindustrie. Sie erlebt seit Mitte der 2020er-Jahre eine außergewöhnliche Häufung von Krisen und Umbrüchen. Vor allem die Nachwirkungen der Pandemie auf die Lieferketten, die Transformation zur Elektromobilität und die Konkurrenz chinesischer Autohersteller setzen Autobauer und Zulieferer hierzulande unter Druck. Hochgradig angewiesen auf die internationalen Lieferketten und stark auf Just-in-time-Fertigung ausgerichtet, ist der Sektor besonders verwundbar. Für Zulieferer kommt hinzu, dass sie von den strategischen Entscheidungen der OEMs abhängig sind – die derzeit stark volatil sind.

Banken als Risikopartner

Das Treasury steht dabei an der zentralen Schnittstelle zwischen externen Kapitalgebern und Unternehmen: Es muss Risiken frühzeitig erkennen, Kapital effizient allokieren und Liquidität sichern. Gerade im Automotive-Sektor müssen Unternehmen aber nicht nur ihre unmittelbaren Risiken, sondern auch die Entwicklungen im Gesamtsektor sowie in vor- und nachgelagerten Bereichen beobachten. Banken können hier im Risikomanagement wichtige Impulse liefern.

Als Finanzinstitute sind sie mit anspruchsvollen Risikomanagementanforderungen vertraut. Darüber hinaus bringen sie als Finanzierer sektorspezifische Expertise mit, die auch die Abhängigkeiten auf den verschiedenen Ebenen der Wertschöpfungskette einschließt.

Bereits zu Beginn der Halbleiterkrise waren die ersten Anzeichen von Lieferengpässen bei Technologieunternehmen früher sichtbar als in der Automobilbranche. Banken mit entsprechendem Exposure konnten hier zusätzliche Einblicke liefern und dadurch dem Treasury helfen, relevante Entwicklungen früher zu erkennen. Zudem analysieren sie selbst regelmäßig die Risiken in ihrem Kreditbuch. Dafür identifizieren sie mögliche Schwierigkeiten frühzeitig, etwa durch Sensitivitätsanalysen zu den Auswirkungen der US-Zölle auf die Automobilbranche. Dieses Wissen können sie mit ihren Kunden teilen. Darüber hinaus bringt eine Bank nicht nur ihre sektorübergreifende Marktbeobachtung mit ein, sondern kann diese auch mit Unterstützung bei einem systematischen Risikomanagement kombinieren, und dabei helfen, Maßnahmen zu entwickeln, die die Widerstandsfähigkeit des Unternehmens stärken.

Dies setzt jedoch eine aktive Kundenbeziehung und einen intensiven Austausch voraus, nicht zuletzt in der Krise und in der Transformation. Wer als Unternehmen transparent ist und glaubhaft vermitteln kann, dass er für die Zukunft gerüstet ist, dem steht eine Bank auch eher in Phasen erhöhten Finanzierungsbedarfs zur Seite und sorgt so wiederum für Planungssicherheit.

 

Autor
Alexander Wolik, Global Senior Credit Officer bei ING Wholesale Banking Deutschland

 

Dieser Beitrag erschien im Original im Magazin DerTreasurer 03/2026.